Im ersten Halbjahr 2012 wurde in Deutschland 25% des Strombedarfs (2011 waren es noch 21%) aus erneuerbaren Energien ( EE) gewonnen. Davon anteilig aus  Wind 9,2%, Biomasse 5,7%, Photovoltaik 5,3% und aus Wasserkraft 4,0%.

Dieses Ergebnis hört sich für alle Befürworter der Energiewende großartig an, ist aber mit allen möglichen Haken und Ösen verbunden. Durch das Ziel der Energiewende, Atomkraft nach und nach abzustellen und die EVUs zu verpflichten Ökostrom vorrangig  und zu festgesetzten Preisen abzunehmen, wurde das alte  Stromversorgungssystem mit dem Ergebnis zerstört, dass kurz und mittelfristig die Strompreise nur den Weg nach oben kennen werden und die Versorgungssicherheit sinken wird (wie bereits letzten Winter geschehen).

Dieser erste Erfolg der Ökostromförderung wird  teuer erkauft, denn er wird auch nach hinten losgehen und Kapazitätslücken zur Folge haben. Wie wir wissen, überlagern sich in den Sommermonaten an manchen Tagen die Spitzen der Wind- und der Solarproduktionen um die Mittagszeit. Trotz der gleichzeitigen Tagesverbrauchsspitze kommt es dann immer öfter zu Überproduktion von Strom und entsprechenden Großhandelspreisdämpfungsreaktionen an der Strombörse. Da Ökostrom vorrangig abgenommen werden muss, werden vor allem weniger effiziente und teuer produzierende thermische Kraftwerke vom Netz genommen. Moderne schnell reagierende Gaskraftwerke werden nicht mehr gebaut, weil wegen abnehmenden Betriebsstunden deren Rentabilität nicht mehr ausreichend erscheint.

Aus dieser Entwicklung lässt sich erkennen, dass sich Deutschland sehr schnell in Richtung von Kapazitätsengpässen und Problemen in der Versorgungssicherheit hin bewegt. Letzteres macht sich bei mangelnden Übertragungskapazitäten von den Stromerzeugern zu den Verbrauchern und  nicht ausreichenden Speicherkapazitäten zu bezahlbaren Preisen bemerkbar. Wenn keine technisch und wirtschaftlich gangbare Lösung gefunden wird, auch für jene Zeiten in denen kein Wind weht und keine Sonne scheint, eine stabile und bezahlbare Energieversorgung sicherzustellen, ist schnell zu erkennen, dass die EE an ihrem eigenen Erfolg ersticken wird.

Bei dieser Tendenz sinkender Versorgungssicherheit und immer weiter steigenden Stromkosten ist es angebracht, einen Blick auf die Stromkostenstruktur und ihre Entwicklung zu werfen.

Im Kern setzt sich der Strompreis aus drei Teilen zusammen:

  • Kosten der Erzeugung
  • Kosten des Transports auf verschiedenen Spannungsebenen
  • und staatlichen  Abgaben.

Die Erzeugerpreise  werden am Markt durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt. Deren  Anteil an der Gesamtstromrechnung (für Privatnutzer)  beträgt nur 33%.

Trotz gesunkener Großhandelspreise steigen die Verbraucherpreise weiter, weil diese auch Förderungen und Umlagen beinhalten. Sie sollen  einen  neuen Mix an Energie hervorrufen und das bestehende völlig aus den Fugen geratene Versorgungssystem vor dem Kollaps bewahren.

Neben den enormen eigentlichen Investitionskosten, welche zur Energiewende von den EVUs zu tätigen sind und in die Strompreise einfließen, sind mannigfache  Förderungen und Umlagen die Hauptpreistreiber. Diese Subventionen sind gedacht  Anreize zu schaffen, um:

  • Drohende Kapazitätslücke abzuwenden indem Investoren angeregt werden sollen neue Anlagen zu bauen, obwohl sich diese wegen verringerter Betriebsstunden nicht lohnen aber doch notwendig sind, wenn Flaute am Himmel herrscht,
  • den notwendig gewordenen Netzausbau voranzutreiben, vor allem von Nord nach Süd,
  • besonders effiziente Kraftwerke wie z.B. jene mit Kraft Wärmekopplung zu fördern,
  • Risiken für jene Investoren abzufedern, die auf hoher See Windparks fertig gestellt haben, ehe die Transportnetze voll zur Verfügung stehen,
  • Kosten aus dem EE  Gesetz abzudecken ( darauf wird unten gesondert eingegangen),
  • erhöhte Regelkosten abzudecken, die wegen des Vorrangs der EE Einspeisung anfallen, da vermehrt  Ab- und Anschaltungen von verschiedenen Erzeugern zur Stabilisierung des Netzes notwendig werden,
  • die aus Wettbewerbs- und  Beschäftigungs-politischen Gründen weitgehende Befreiung großer Energieabnehmer von o.a. Förderkosten zu finanzieren. Private Verbraucher und  Gewerbe/Dienstleister bedürfen jeweils nur eines Viertels, die Industrie aber der Hälfte des Gesamtstromverbrauchs. Somit werden private Verbraucher und Gewerbetreibende überproportional mit den Förderkosten belastet,
  • der größte Kostentreibende Faktor allerdings sind die immer steigenden staatlichen Gebühren. Sie betragen momentan ca. 45% der gesamten Stromrechnung eines privaten Nutzers. Dies ist eine Steigerung um das 10fache in 15 Jahren.  Erhoben werden auch Gebühren für Konzessionen, Trassennutzung etc., Stromsteuern und die Mehrwertsteuer. Auch die EEG Umlage wird im kommenden Jahr mit >5C/kWh einen neuen Höhepunkt erreichen.

Die EEG Umlage errechnet sich aus der Differenz zwischen den erwarteten Erlösen der Ökostromerzeuger an der Börse und den Erlösen, die den Erzeugern aus der garantierten Festpreisvergütung zu stehen. Momentan wird auf dem freien Markt nur ein Bruchteil dessen erlöst was die Netzbetreiber zahlen müssen. Auch zu den Zeiten, wo der Strom im Netz gar nicht gebraucht wird und sogar negative Preise hat.

Je mehr also Ökostrom produziert wird und je mehr dadurch (zeitweise) die Marktpreise gedrückt werden, desto höher steigen die Kosten für die EEG Umlage, die wiederum überproportional vom privaten Verbraucher zu tragen ist.

Dieser irrsinnige Förderdschungel ist entstanden um  ein neues Versorgungs-systems ohne Atomkraft zu schaffen und das alte vor dem Kollaps zu bewahren. Umweltkosten wie verspargelte Landstriche und zerstörte Dachlandschaften erscheinen dabei schon fast als notwendige Nebenkosten. Diese Förderdynamik zu brechen ist nahezu unmöglich, so lange sich die Politik im Schwitzkasten der Industrie befindet und notwendige Investitionen verweigert, wenn ihr nicht die Politik möglichst viele Risiken abnimmt.

Die sich verbreiternde Meinung, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn der Strom für Privatverbraucher und Industrie bezahlbar bleibt, zeigt das Einsetzen eines Umdenkens in der Politik.

Erste Stimmen gerade aus dem FDP Lager verlangen:

  • Ausstieg aus dem EEG  und weg von direkter Förderung von bestimmten EE Arten,
  • hin zu einem System das Effizienz und Kostenbewusstsein in den Mittelpunkt stellt.

Vorgeschlagen wird z.B. im Gegensatz zur technologiespezifischen Festpreisförderung  ein Quotenmodell, in dem der Staat den Versorgern eine Mindestmenge an Ökostrom vorschreibt, aber nicht wo und wie er diese erzeugt. Das würde preiswerte EE Formen bevorzugen, die Gesamtkosten senken  und möglicherweise den von der Eurokriese geschüttelten Süden Europas helfen.

Heute wird geschätzt, dass sich die Energiewendekosten in den nächsten Jahren auf über 250 Milliarden € summieren werden, wobei über die Hälfte von der Photovoltaikförderung verschlungen werden wird.

Deutschland ist Österreich im Förderwahnsinn um einige Jahre voraus. Wir sollten in Österreich von der deutschen Malaise lernen und die für Österreich günstigen Schlüsse ziehen.

Dr.-Ing. Christian Brandner