Die im Rahmen einer Pressekonferenz der IG – Windkraft am 3. August 2011 gemachten Aussagen sind nach unserer Überzeugung unrichtig oder stellen Sachverhalte grob verzerrt dar. Wir möchte daher wie folgt Stellung nehmen:

 

Ursachen für geringe Zahl von Windkraftanlagen in OÖ:

In letzter Zeit häufen sich Aussagen, welche die, im Vergleich zu Niederösterreich und dem Burgenland geringe Zahl von Windanlagen in unserem Heimatland der Politik oder auch den Chefs der Energieversorger zuschieben.

Für den wirtschaftlichen Betrieb von Windkraftanlagen sind aber bekanntlich gute Windverhältnisse erforderlich. Der Energieinhalt einer Luftströmung verändert sich mit der   3. Potenz der Windgeschwindigkeit. Eine um 15% geringere mittlere Windgeschwindigkeit resultiert in einer um rund 40% verminderten Stromausbeute. Wenn man den aufwendig erstellten Windatlas studiert erkennt man, wo in Österreich gute Windverhältnisse zu finden sind. Nämlich im östlichen Niederösterreich und im Burgenland. Und dort findet man auch weitaus die meisten der in Österreich installierten Windkraftanlagen. Die in OÖ installierten Windanlagen sind wohl an den besten in unserem Land verfügbaren Standorten gebaut. Trotzdem erreicht kein Standort die als Mindestanforderung oftmals genannten 2000 Volllaststunden. Noch ungünstiger stellt sich die Lage dar, wenn man die spezifische Stromerzeugung, welche wesentlich aussagekräftiger ist, als Beurteilungskriterium heranzieht. Da erreicht der oft  genannte Windpark Sternstein im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2010 gerade einmal 640 KWh/m² Windradfläche und Jahr. An guten Binnenlandstandorten beträgt dieser Wert 850 bis 1150 KWh.

Topografie und Siedlungsstruktur:

Weitere Nachteile für die Windkraftnutzung sind die kleinräumige Siedlungsstruktur und der in weiten Teilen alpine Charakter unseres Bundeslandes. Die Windlobby richtet ihr Augenmerk auf die Wälder und Höhenrücken der Voralpen und an der nördlichen Landesgrenze. Wald stellt jedoch eine sehr effektive Windbremse dar, welche die Stromausbeute beachtlich verschlechtert. Und im bergigen Gelände wachsen die Kosten für die Infrastruktur (Zufahrtsstrassen, Leitungen etc) beträchtlich an.

Versorgung mit Windstrom

Wenn in der Aussendung der IG – Windkraft behauptet wird, mit 870 Mio. KWH Windstrom ließen sich 250.000 Haushalte mit Strom versorgen, so sit dies in zweifacher Hinsicht falsch. Erstens wird da mit einem Durchschnittsverbrauch je Haushalt von 3500 KWh gerechnet. Tatsächlich sind es aber rund 4300 KWh und da sind es dann schon 50.000 Haushalte weniger. Und zweitens kann mit  in windschwachen Perioden über Tage und Wochen kein Strom erzeugt und kein Haushalt mit Strom versorgt werde. Geschweige denn 250.000. Von der Windlobby werden jetzt immer öfter Pumpspeicherkraftwerke zum Ausgleich der Schwankungen bei Windstrom angepriesen. Wegen der geringen zeitlichen Reichweite des Volumens der Speicherseen ergibt dies jedoch keine tragfähige Lösung. Dazu wären als drittes Glied noch Gaskraftwerke erforderlich welche dann im Schnitt rund zwei Drittel des Strombedarfes abzudecken hätten und vom Wind nur etwa ein Drittel aufgebracht würde. Was der Strom dann kosten würde stellen wir uns besser nicht vor. Da brauchen wir von den beträchtlichen Verlusten bei der zweimaligen Energieumwandlung des Pumpspeichervorganges noch gar nicht zu reden.

Politische Lösung:

Wenn Herr Payr für die Windkraftprojekte im Kobernaußerwald jetzt eine „politische Lösung“ wünscht, so verlangt er, dass die Politik ein rechtsstaatlich abgewickeltes Verfahren aushebelt weil er bei diesem einen, für ihn negativen Ausgang erwartet. An der kritisierten langen Zeitdauer des Verfahrens haben die Windkraftleute durch die oftmalige Änderung der Projekte erheblichen Anteil.

Zusammenfassung:

Windverhältnisse, Siedlungsstruktur und Topografie machen Oberösterreich denkbar schlecht für die Windkraftnutzung geeignet. Wenn man es trotzdem durchzieht so wird eine unbefriedigende wirtschaftliche Rentabilität die Folge sein. Dazu kommen noch Nebeneffekte wie Beeinträchtigung von Natur und Landschaftsbild,  Minderung der Lebensqualität von Anwohnern, Unfrieden unter der Bevölkerung (derzeit in Lohnsburg und Pöndorf zu beobachten) usw.

Ein wesentlich höherer Energie – und Klimanutzen ließe sich bei geringeren Kosten, höherem inländischen Beschäftigungseffekt,  geringer Beeinträchtigung von Natur und Landschaft und in einer wesentlich kürzeren Zeitspanne durch entschlossene Anstrengungen zur Erhöhung der Energieeffizienz und zum sparsamen Umgang mit Energie erzielen. Wieso hört das niemand?

 

 

OstR. Mag. Johann Aschenberger
Verein zum Schutz des Kobernaußerwaldes, Bezirk Ried im Innkreis

 

Dipl.-Ing Günther Hertwich
Verein zum Schutz des  Kobernuaßerwaldes, Braunau