LINZ. Die geplante Kapitalerhöhung der Energie AG Oberösterreich ist vorerst abgeblasen. Die Kraftwerke, für die das zusätzliche Kapital geplant war, werden vorerst nicht gebaut. Grund: Sie würden sich derzeit schlicht und einfach nicht rechnen.

„Derzeit ist es billiger, Strom etwa bei Verbund oder Strombörse Leipzig zuzukaufen, als ihn selbst etwa mit Gaskraftwerken zu produzieren“, sagt Generaldirektor Leo Windtner.

Jeweils ein Viertel des Stroms bezieht die Energie AG aus eigenen Wasser- und thermischen Kraftwerken, gut die Hälfte wurde zuletzt zugekauft.

Der Investitionsstopp betrifft etwa das Wasserkraftwerk Bad Goisern oder auch das Pumpspeicherkraftwerk beim Traunsee. Dort würden die Verfahren zwar weiterlaufen. Aber wann tatsächlich gebaut werde, stehe nicht fest, sagt Windtner. „Dass sich die Lage wieder erholt, ist sicher. Die Frage ist nur wann.“

Genau geprüft wird dagegen derzeit der Einstieg beim bereits baureifen Pumpspeicher-Kraftwerks-projekt von Bauunternehmer Kurt Bernegger in Molln. Dieser arbeitet mit der Wien Energie zusammen. Bis zu 20 Prozent sind aber für eine Kooperation mit der Energie AG reserviert.

Schon eher würde sich dagegen der Bau von Windkraftwerken im Raum Großraming-Ternberg-Weyer rechnen. Denn dafür gibt es kräftig Förderungen. „Mit den Bundesforsten gibt es schon grundsätzliche Übereinkunft, dass auf deren Grund Windräder gebaut werden können“, sagt Windtner. In Polen werden auch Windkraft-Pläne weiter verfolgt. Allerdings sehr vorsichtig und auch mit der Option, baufertige Projekte weiterverkaufen zu können.

Das erste halbe Geschäftsjahr bescherte der Energie AG zwar leicht steigende Umsätze, dafür aber sinkende Gewinne. Der Konzernumsatz erhöhte sich um 0,3 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro und lag damit fast im Plan, das Ergebnis dagegen liegt mit 92,3 Millionen Euro um 8,5 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Für das Gesamtjahr erwartet Windtner allerdings auch beim Gewinn einen Zuwachs.

Rückgang bei der AVE

Rote Zahlen schreibe die Energie AG in keinem ihrer Bereiche. Der größere – die Energie mit Strom, Gas und Wärme – liefert mit 914,5 Millionen den größten Umsatzanteil. Rückläufig sind die Einnahmen in der Abfallwirtschaft. Der Umsatz ging um 10,3 Prozent auf 202,1 Millionen Euro zurück.

Die hohen Dieselpreise belasten das Ergebnis ebenso wie die gesunkenen Abnahmepreise für Altstoffe, aber auch die Probleme in Rumänien und Ungarn. Dort zeigte die öffentliche Hand, wie berichtet, Tendenzen, Abfallunternehmen wieder zu verstaatlichen. „Hier ist eine Entspannung zu bemerken, weil dies ja auch klar gegen das EU-Recht verstoßen würde“, sagt Windtner.

Ein möglicher Verkaufsprozess zumindest von Teilen der AVE sei auf Schiene. Die Nominierung eines Beraters stehe vor dem Abschluss. Über den Sommer sollen wesentliche Entscheidungen fallen. Dann sei auch der laufende Strategie-Check abgeschlossen.

 Ein Bericht der OÖN, Dietmar Mascher