Das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas erfüllt nach EU rechtlichen Bestimmungen für den Oberösterreichischen Naturschutzbund klar die Bedingungen eines Vogelschutzgebietes ….

Die wenigsten unter uns werden den Kobernaußerwald selbst erlebt haben. Ja, vielleicht auf einer der Landesstraßen, die durch den Wald führen. Auch solche Fahrten lassen bereits erahnen, welch großes Waldgebiet sich hier zwischen Inntal und Salzkammergut erstreckt.

Foto: Alois Litzlbauer

Foto: Alois Litzlbauer

Großwaldgebiete auf diesen Höhenlagen unter 800 m Seehöhe sind in Mitteleuropa sehr selten. So ist der Kobernaußerwald, der mit dem östlich angrenzenden Hausruckwald eine geschlossene Waldfläche von 275 km² bildet, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Mitteleuropa.

In der Zeit der Völkerwanderung begannen die ersten bedeutsamen Besiedlungsphasen in der Region, verbunden mit Rodungen zur Landgewinnung für Kulturland. Der Kobernaußerwald blieb aber großflächig erhalten. Seine Waldgrenzen haben sich seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr wesentlich geändert.

Großes Waldgebiet

Auf die Tierwelt des Kobernaußer- und Hausruckwaldes hatte die relativ intensive Holznutzung des letzten Jahrhunderts eine entsprechende Auswirkung. U. a. verschwand das ehemals häufige Auerhuhn aus dem Waldgebiet. In letzter Zeit wurde jedoch eine Brut bekannt.

Foto Schwarzstorch © Norbert Pühringer

Foto: © Norbert Pühringer

Für andere Vogelarten wie den Schwarzstorch bietet der Wald Qualitäten, die kaum wo zu finden sind. Der Schwarzstorch benötigt zum einen größere und störungsarme Wälder für seinen Horst. Zum anderen ist er zur Nahrungssuche an Tümpel, Bachläufe und Feuchtwiesen gebunden. Aquatische Lebewesen wie Amphibien, Wasserinsekten oder Fische sind eine wichtige Nahrung. Im Kobernaußer- und Hausruckwald findet der Schwarzstorch in Altholzbeständen beste Bedingungen zur Anlage seiner mächtigen Horste. Als Standort wählt er meistens die mäßig geneigten Einhänge zu Gräben oder Bächen, das Angebot an Brutplätzen ist hervorragend.

Schwarzstorch

Warum findet diese Tatsache dennoch kaum Beachtung? Zunächst war der Wissensstand um die Brutverbreitung des Schwarzstorchs noch vor ein paar Jahren recht dürftig. Er brütet außerdem in den Wäldern ausgesprochen heimlich und versteckt, zusätzlich sind ornithologisch tätige Personen in dieser Region sehr dünn gesät. Dennoch wissen wir von bis zu 8 Brutpaaren im Gebiet, mit einer der international höchsten Reproduktionsraten von im Schnitt mehr als 3 Jungen pro Brut.

Als Vogelart des Anhang I der EUVogelschutzrichtlinie besteht die Verpflichtung, für den Schwarzstorch die geeignetsten Gebiete in Österreich als Schutzgebiete auszuweisen. Der Kobernaußer- und Hausruckwald ist in zweierlei Hinsicht bzw. nach zwei ornithologischen Kriterien eines der geeignetsten Gebiete, um es verbindlich als Vogelschutzgebiet zu erklären:

Erstens ist er mit seiner Schwarzstorchpopulation von bis zu 8 Brutpaaren eines der 5 wichtigsten Gebiete Österreichs, gemeinsam mit Wienerwald (bis zu 28 Brutpaare), Ötscher-Dürrenstein (bis zu 12 Brutpaare), March-Thaya-Auen (bis zu 10 Brutpaare) und Niederösterreichische Randalpen (bis zu 8 Brutpaare). Für Österreich werden in Summe 200 bis 300 Brutpaare angenommen. Zweitens ist er in Westösterreich (Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg) das einzige Waldgebiet, das für den Schwarzstorch so gut geeignet ist. Derzeit umfassen in Westösterreich alle erklärten Vogelschutzgebiete lediglich 2 Brutpaare des Schwarzstorchs.

Für den Naturschutzbund Oberösterreich treffen klar EU-rechtliche Bestimmungen zu. Der Kobernaußer- und Hausruckwald erfüllt mit der Leitart „Schwarzstorch“ die ornithologischen Kriterien als Vogelschutzgebiet. Als geeignetstes Gebiet für den Schwarzstorch ist es vom Land Oberösterreich rechtlich verbindlich als Vogelschutzgebiet auszuweisen.

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