Wann hat es das schon gegeben? Am 5. Dezember 2011 wird in Munderfing die Verhandlung zum Rodungsantrag für die Windkraftstandorte samt den erforderlichen Straßen durchgeführt.

Wohl eines der größten Rodungsvorhaben seit Jahrzehnten im Bezirk. Und bereits einen Tag später, am 6. Dezember 2011 wird ein positiver Bescheid ausgestellt. Nach Ansicht von Fachleuten ist das Ausmaß der zur Rodung beantragten Flächen zu gering. Aber nachdem der Mehrheitsgesellschafter der Betreibergesellschaft die Österr. Bundesforste sind, wird sich da auch niemand beschweren.

Das ist aber bei weitem nicht der einzige Schnellschuß dem Projekt. Man hat das Gefühl, als wolle sich Österreich vom Rechtsstaat verabschieden. Wärend sich Parlamentsauschuß und Staatsanwalt mit zahlreichen rechtlich bedenklichen Vorgängen aus der Vergangeheit herumschlagen werden bei uns unbekümmert neue Handlungen gesetzt die nach unserer Überzeugung nicht mit rechtsstaatlcihen Prinzipien zu vereinbaren sind.

Betrifft: Windkraftprojekt Munderfing – Artenschutzprobleme und unbefriedigendes Behördenverfahren

Sehr geehrte Frau HR Mag. Stoffner,

Wir danken für das kurzfristig von Ihnen ermöglichte Gespräch mit unseren Mitgliedern Mag. Hermann Wetzelsberger und Dr. Günter Wöss. Ebenso sind wir über Ihre gezielten Fragestellungen bei Herrn Dr. Schuster bei der Naturschutzabteilung der Landesregierung dankbar.

Wir sehen jedoch für eine vollständige Behandlung der Materie noch weitere offene Fragen. Wesentliche Grundlage für eine objektive Bewertung wäre eine gründliche Erfassung des Ist – Zustandes im Bereich Fauna was unter anderem eine Kartierung von Schwarzstorch und Auerhuhn, sowie eine gründliche Erfassung der Fledermauspopulationen voraussetzten würde.

Den Mitgliedern des Vereines zum Schutz des Kobernaußerwaldes sind der Erhalt und die naturnahe Entwicklung von Österreichs größtem geschlossenem Waldgebiet ein großes Anliegen. Von den Zonen mit Fichtenplantagenbewirtschaftung wurde bereits ein erheblicher Anteil durch Sturm und Borkenkäferbefall dezimiert. Viele Zonen sind bereits jetzt wertvolle Wälder. So bestünden beste Voraussetzungen, dass sich der Kobernaußerwald zu einem vielgestaltigen, artenreichen Mischwaldgebiet von besonderem ökologischen Wert entwickelt. Gäbe es da nicht die Verbauung durch Windkraftanlagen wobei der Windpark Munderfing wohl nur ein erster Anfang wäre. Da ist es sehr wohl angebracht, die Sinnhaftigkeit eines solchen Vorhabens zu hinterfragen.

Die sechs, beim Windpark Munderfing geplanten Großwindanlagen würden zusammen gerade einmal etwa 0,01% des österreichischen Gesamtenergiebedarfes abdecken. So wären 100 Windparks von gleicher Größe erforderlich um 1% des Energieverbrauches aufzubringen.

Wir sind keineswegs grundsätzlich gegen die energetische Nutzung der Windkraft  an geeigneten Standorten. In unserer windschwachen, reich strukturierten, wunderschönen Voralpenregion steht der bescheidene mögliche Ertrag an Windenergie jedoch in keiner Relation zu der damit einhergehenden nachhaltigen Beeinträchtigung von Natur und Landschaft.

Auf einen weiteren, bisher kaum beachteten Umstand möchten wir noch hinweisen: Wie Sie ja wissen ist die Erzeugung von Windstrom sehr starken Schwankungen unterworfen und über zwei Drittel der Zeit gibt es bei uns praktisch kein  Windstromangebot. Weht aber einmal auch bei uns so richtig der Wind und die Windanlagen laufen auf 30 bis 100% ihrer

Nennleistung, dann herrschen zumeist in unserem Nachbarland Deutschland ebenfalls gute Windbedingungen und die rund 22.000 in Deutschland installierten Windanlagen speisen beträchtliche Strommengen ins Netz. In diesen Perioden sinken die Notierungen an der Strombörse in Leibzig gegen Null bzw. es wird sogar für die Abnahme von Überschussstrom bezahlt. Und dafür, dass wir zusätzlich teuren Windstrom produzieren in Perioden wenn Strom ohnedies im Überschuss und zu Spottpreisen verfügbar ist sollen wir auch noch unserer Natur und Landschaft erhebliche Schäden zufügen. Das halten wir, mit Verlaub gesagt, für nicht sehr klug. (Pumpspeicherkraftwerke können die nicht bedarfsgerechte Erzeugung von Windstrom nur in einem ganz minimalen Umfang ausgleichen und stellen ebenfalls einen schweren Eingriff dar).

Die zur Genehmigung des Windprojektes Munderfing im Expresstempo durchgepeitschten Behördenverhandlungen widersprechen nach unserer Überzeugung den Grundsätzen der Rechtstaatlichkeit und der Fairness. Wir sind der Meinung, dass bei dem Verfahren die Risiken bezüglich Waldbrandgefahr, Wasserverunreinigung durch Öle, Eiswurf etc. nicht mit ausreichender Gründlichkeit geprüft und keine Schutzkonzepte entwickelt wurden. So war die bei der ersten Abänderung des Projektes von mit Getriebe ausgestatteten Anlagen Fabrikat Vestas auf das getriebelose Fabrikat Enercon von den Projektwerbern die Abwesenheit von Getriebeöl als besonderer Vorteil gepriesen worden. Der spätere Schwenk zu mit erheblichen Ölmengen versehenen Prototyp – Großanlagen, Fabrikat Vestas fand nach unserer Ansicht keine ausreichende Beachtung seitens der Behörden.

Das Energie- und Klimaproblem ist nur durch konsequente Verbrauchsminderung zu lösen welche einerseits durch Effizienzsteigerung in der Energienutzung und andererseits durch einen sparsameren Umgang bewirkt wird. Hier ist das Potential bei uns ein hohes Vielfaches, selbst einer hypothetischen rücksichtslosen Maximalnutzung der Windenergie welche gerade bei uns in Oberösterreich nicht mehr sein kann als „ein Tropfen auf einem heißen Stein“.

Wir machen darauf aufmerksam, dass wir im Zusammenhang mit Energiefragen keinerlei persönliche materielle Interessen verfolgen sondern es uns ausschließlich um den Schutz unserer Natur und Heimat geht.

Mit freundlichen Grüssen

DI Günther Hertwich
Obmann des Vereins zum Schutz des Kobernaußerwaldes