Immer mehr Photovoltaikanlagen, Energie Ried muss aus Netzgründen zusehends auf die Bremse steigen

Von Dieter Seitl

Innviertel. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und seine internationalen sowie regionalen Tücken: Wegen hoher Windstromproduktion im Norden Deutschlands mussten heuer zur Stabilisierung der großen Stromnetze bereits sogenannte Kaltreserven aus Österreich angefordert werden – „fossile“ Kraftwerke. Innerhalb Deutschlands mangelt es an Stromschienen, um die im Norden erzeugte Energie in den verbrauchsstarken Süden zu bringen.

„Rechnen jede Anlage durch“

Diese großräumig-verzwickte Situation hat laut Experten derzeit zwar auf das Innviertel keine unmittelbaren Auswirkungen – allerdings wächst auch hier die Herausforderung, die eine größer werdende Zahl an Ökostrom-Anlagen für die Stromnetz-Stabilität mit sich bringt. Zum Beispiel beim Netz der Energie Ried, in das immer mehr Besitzer von Photovoltaikanlagen einspeisen wollen: „Wir rechnen jede einzelne Anlage durch, auch die kleinste. Wir haben an gewissen Netzpunkten schon Anlagen abgelehnt“, sagt Helmut Binder, Geschäftsführer der Energie Ried.

Die bestehenden Stromnetze seien generell auf zentrale Energieproduktion und deren Verteilung an die Abnehmer ausgelegt, nicht wirklich aber auf viele dezentrale Strom-Einspeiser wie Photovoltaikanlagen. In manchen Fällen müsse die Leistung der Photovoltaikanlage reduziert werden, damit sie „ins Netz passt“, so Binder.

Im Falle einer Ablehnung gebe es zwar die Möglichkeit einer Leitungsverstärkung. „Die Kosten dafür müsste aber der Antragsteller tragen. Das geht ziemlich ins Geld und wurde bei uns im Zusammenhang mit einer Photovoltaikanlage noch nie beantragt“, sagt Binder.

Der wachsende Drang zur eigenen Photovoltaikanlage dürfte nicht nur im allgemeinen Wunsch nach Klimaschutz und Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern begründet liegen. „Die Photovoltaikanlagen sind derzeit so günstig, dass sie sich selbst ohne öffentliche Förderungen rechnen. Die Förderung gibt’s quasi oben drauf“, so Binder im OÖN-Gespräch. Förderungen, die jeder Stromabnehmer in Österreich automatisch mittels Ökostromaufschlägen bedient, so Kritiker. Auch wenn die heimischen Aufschläge noch „deutlich humaner“ sind als jene in Deutschland, regt sich Unmut. Laut aktuellen Berechnungen der Arbeiterkammer erreichen die Ökostromförderkosten hierzulande im heurigen Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt 64 Euro inklusive Mehrwertsteuer – um 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Darstellungen, die der „Dachverband Erneuerbare Energie“ umgehend zurückweist.

Aber auch Energie Ried-Geschäftsführer Helmut Binder gibt zu bedenken, dass zum Beispiel im Bereich (geförderter) Windkraft beträchtliche Renditen erwirtschaftet würden. „Es gibt Investmentgesellschaften, die für Ökostromfonds bis zu sieben Prozent Rendite garantieren.“ Selbst der Energie-Regulator E-Control sage, dass das System zu überarbeiten sei, so Binder. Die Energie Ried ist bislang „nur“ Stromnetzbetreiber und Stromhändler. Mit dem aktuellen Ausbau zur größten Geothermie Österreichs, die große Teile Rieds künftig mit erneuerbarer Heizenergie versorgen soll, wird sich das bald ändern.

„Wir rechnen jede Anlage durch und mussten an gewissen Netzpunkten auch schon Anlagen ablehnen.“

Helmut Binder, Energie Ried

 Ein Artikel der OÖN vom 18.2.2013