Alternativen zur Windkraft

Die Befürworter der Windkraftverbauung des Kobernaußerwaldes werfen uns „Waldschützern“ vor, dass auch unsere Region einen Beitrag zur „Energiewende“ leisten muss und sie von uns noch nie Alternativen zur Verbauung von Österreichs größtem geschlossenem Waldgebiet mit Großwindanlagen gehört hätten.

Um diese unrichtige Behauptung endgültig ad absurdum zu führen, fassen wir einmal die von uns gemachten Feststellungen und Vorschläge zusammen. Der Kobernaußerwald ist das große zentrale Waldgebiet des Innviertels und wir beziehen daher unsere Aussagen auf das Innviertel.

 

1.) Stromerzeugung durch bestehende Wasserkraftwerke.

Diese Betrachtung zeigt, dass das Innviertel seinen Beitrag zur Beistellung von erneuerbarer Energie bereits jetzt in sehr hohem Maße erfüllt, und der mögliche Beitrag der Windkraft nur ein vergleichweise marginaler sein kann. Die Windlobby verwendet zur eindrucksvollen Darstellung der Stromerzeugung gerne das Maß „Zahl der versorgten Haushalte.“ Das wollen wir, obwohl nur sehr bedingt richtig, auch einmal praktizieren.

Die Wasserkraftwerke des Innviertels am Inn und das Kraftwerk Jochenstein besitzen ein Regelarbeitsvermögen (RAV) von 4200 Gigawattstunden. Da es sich durchwegs um Kraftwerke an der Grenze handelt kann man nur die Hälfte davon dem Innviertel zuordnen, nämlich 2100 GWh. Die rund 80.000 Haushalte des Innviertels (Bezirke Braunau, Ried Schärding) verbrauchen (bei durchschnittlich 4000 KWh je Haushalt) eine Strommenge von 320 GWh pro Jahr. Die Wasserkraftwerke des Innviertels erzeugen somit die sechsfache Strommenge, bezogen auf den Bedarf der Haushalte. Die von den, dem Innviertel zuzuordnenden Kraftwerkskapazitäten erzeugte Strommenge entspricht dem Jahresstrombedarf sämtlicher 530.000 Haushalte Oberösterreichs.

Zum Vergleich: Die 6 Großwindkraftanlagen des Projektes Munderfing dürften rund 36 GWh im Jahr erzeugen, das sind 1,7% der Stromerzeugung des Innviertel-Anteiles unserer Wasserkraftwerke. Also „peanuts“.

Mit in Betracht ziehen muss man dabei noch die stark schwankende, nur ganz kurzfristig planbare Verfügbarkeit des Windstromes. Das verdeutlichen folgende Zahlen: Unsere Wasserkraftwerke erreichen im Durchschnitt eine Stromerzeugung entsprechend 6000 Volllaststunden im Jahr oder 70% der Ausbauleistung. Bei den oberösterreichischen Windkraftwerken sind es rund 1800 Vollaststunden oder 20% der Ausbauleistung. Das Innviertel erfüllt seine Verpflichtung zur Erzeugung von Erneuerbarer Energie durch seine Wasserkräfte bereits in höchstem Maße. Dazu kommt noch ein ganz beträchtliches Volumen in Form der energetischen Nutzung von Biomasse. Weiters noch Geothermie und Solarwärme. Wir haben keinen Grund, uns von den Leuten die mit der Verschandelung unserer Heimat mit Großwindanlagen Geld verdienen wollen, ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.

2.) Ausbaupotential Wasserkraft

Wir wollen hier keineswegs einem weiteren Ausbau unserer schon weitgehend zur Stromgewinnung genützten Fließgewässer das Wort reden. Es ist jedoch ein Widerspruch bei den GRÜNEN und manchen Windfreaks, welche die Nutzung der Wasserkraft völlig ausschließen und für die Windkraft so gut wie keine Einschränkungen zulassen. Ein sehr interessantes und gar nicht so kleines Potential bietet die Modernisierung von bestehenden älteren Kraftwerken. Dies soll vor allen Dingen durch neue, leistungsfähigere Maschinensätze geschehen. In Einzelfällen kann aber durch maßvolle Erhöhung von Stauzielen bzw. durch Gefälleerhöhung ein Mehrertrag erzielt werden.

3.) Ausbau der Biomassenutzung

Obwohl die Nutzung von Holz bereits gut ausgebaut ist, bestehen noch durchaus Möglichkeiten die Nutzung weiter zu intensivieren. Generell geht es dabei wieder um vielfach höhere Größenordnungen als bei Windkraft.

Laut Statistik Austria 2011 hat Biomassen einen Anteil von 61% und Wasserkraft von 35% am Aufkommen von erneuerbarer Energie. Für Wind sind es gerade mal 2%. Eine Verdoppelung von Windenergie bringt da nur eine vergleichsweise geringe Verschiebung bedeutet aber einen massiven Eingriff in Naturlandschaften abseits der großen bestehenden Windkraftregionen im Osten Österreichs.

4.) Bessere Nutzung der Solarthermie

Im Gegensatz zur Photovoltaik ist die solare Warmwasserbereitung bei richtiger Anwendung eine der wirtschaftlichsten erneuerbaren Energien. Sie fristet aber, gemessen an ihrem beträchtlichen Potential ein Schattendasein. Hauptschuld sind unzureichende Information und Marketing. Während Wind und Photovoltaik die Unterstützung mächtiger ideologisch gesteuerter Gruppen besitzen fehlt der Solarthermie diese „Heilsideologie“. Mit ein Manko ist, dass von den, die Anlagen anbietenden Gewerbebetrieben sehr oft überdimensionierte Anlagen (zum Teil auch für Raumwärme) empfohlen und angeboten werden, die aber dann zu kostspielig werden so dass der Interessent von einer Realisierung Abstand nimmt. Es ist schade um das vergeudete Potential.

5.) Bessere Nutzung der Geothermie

Aus gutem Grund soll man sich bei der Energienutzung nach den jeweiligen Gegebenheiten orientieren.

In der Molassezone des Innviertels gibt es weit verbreitet erhebliche Warmwasserzonen in nicht zu großer Tiefe. In bescheidenem Umfang wird Geothermie schon genutzt (Braunau/Simbach, Altheim, Geinberg, Obernberg, Ried im Innkreis). Die Potentiale der energetischen Nutzung für Stromgewinnung und Fernwärme wäre jedoch erheblich größer.

6.) Technische Effizienzsteigerung und bewusst sparsamem Umgang mit Energie

In diesem Bereich besteht das mit Abstand größte Potential zur Verringerung des Energieverbrauches und Minderung des CO2 – Ausstoßes. Wenn man das Problem nicht von dieser Seite her angeht, besteht keine Aussicht auf Erfolg. Bei Maßnahme in diesem Bereich stellt sich das für einen breiten Einsatz von Windkraft und Fotovoltaik unüberwindliche Problem der bedarfsgerechten Erzeugung gleich gar nicht. Zu ergreifende Maßnahmen in diesem Bereich bedeuten in der Regel keine weiteren Belastungen für Mensch und Natur sondern verbessern in der Regel die Situation.

Wir haben einige Beispiele möglicher technischer Effizienzsteigerungen herausgenommen und deren Potential rechnerisch abgeschätzt. (Siehe Beilage). Dann haben wir das Potential in den Energieertrag moderner Großwindräder umgerechnet. Dabei gibt sich bezogen auf ganz Österreich eine Zahl von Windkraftanlagen, die völlig den Rahmen des Möglichen sprengt.

Das ist vom Flächenbedarf und dem Landschaftsverbrauch nicht möglich. Weiters ist es nicht möglich den, bei guten Windverhältnissen erzeugten Strom bedarfsgerecht zu speichern. Dazu wären die bei uns möglichen Wasserspeicher zu klein.

7.) Schlußbetrachtung

Die Möglichkeiten der Windstromerzeugung sind im windschwachen Innviertel nur sehr beschränkt. Es kommen aufgrund der kleinräumigen Siedlungsstruktur praktisch nur Waldstandorte in Frage. Dort ist jedoch der Schaden für die Natur und das Landschaftsbild beträchtlich. Zudem bremst die raue Waldoberfläche die Luftströmung noch weiter was man durch extrem hohe und teure Windanlagen wenigstens teilweise auszugleichen versucht.

Das Innviertel hat bei erneuerbarer Energie bereits jetzt einen sehr hohen Stand erreicht. Es hat seine Verpflichtungen in dieser Hinsicht weitestgehend erfüllt. Zu einem Ausbau der Windkraft gibt es zudem eine Reihe von (besseren) Alternativen und deren Potential ist um ein vielfaches höher.

 

Archiv